marktbericht
Die Zoll-Drohungen von US-Präsident Trump zeigen am Aktienmarkt Wirkung. Der DAX sinkt im frühen Handel unter 25.000 Punkte. Anleger fürchten um die erhoffte Belebung der exportabhängigen deutschen Wirtschaft.
Ein erneuter Handelsstreit mit den USA ist nicht im Interesse der exportabhängigen deutschen Wirtschaft: Im frühen Handel sinkt der DAX unter die Marke von 25.000 Punkten. Aktuell liegt das Minus bei 1,3 Prozent auf 24.965 Stellen.
In den ersten Handelswochen des neuen Jahres hatte der DAX bei 25.507 Punkten ein Allzeithoch markiert.
Mit der Rekordrally dürfte es nun vorbei sein: „Die Unsicherheit ist zurück. Und wieder sind es US-Zolldrohungen, die die Märkte erschüttern“, schreibt Analyst Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. Es bestehe das Potenzial für eine noch nie dagewesene Spirale aus Zöllen, Gegenzöllen und weiteren Maßnahmen.
Salah-Eddine Bouhmidi, Head of Markets bei IG kometiert: „Trumps Ankündigungen holen die Märkte aus dem ‚Dornröschenschlaf‘, Risiko wird neu bepreist.“ Trotz dieser Nervosität rechnet Bouhmidi kurzfristig nicht mit größeren Verwerfungen – solange die großen US-Indizes ihre Dezembertiefs verteidigen würden.
Nach den Zoll-Drohungen von US-Präsident Donald Trump im Streit um Grönland befindet sich die EU auf Konfrontationskurs mit den USA. Europäische Staats- und Regierungschefs wollen am Donnerstag zu einem Sondergipfel zusammenkommen. Im Raum stehen beispielsweise Gegenzölle im Wert von 93 Milliarden Euro, die bislang zurückgehalten worden.
Neue US-Zölle würden die europäische Wirtschaft erheblich beeinträchtigen, stellt Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank, fest: „Höhere Preise reduzieren die Nachfrage in den USA nach europäischen Gütern, führen zu Absatz- und Marktanteilsverlusten und zwingen europäische Exporteure häufig zu Preiszugeständnissen, die ihre Gewinnmargen schmälern“, so der Ökonom.
Da die Wall Street zum Wochenstart feiertagsbedingt geschlossen bleibt, müssen die Anlegerinnen und Anleger ohne Impulse aus den USA auskommen. Erst morgen wird an den US-Märkten wieder gehandelt. Deshalb dürften heute deutlich weniger ausländische Anleger am Aktienmarkt teilnehmen.
Die US-Futures deuten zu diesem frühen Zeitpunkt darauf hin, dass auch der US-Handel unter dem Zollkonflikt leiden wird. Allerdings könnte bis zum Dienstag noch einiges passieren, sodass die aktuellen Indikationen mit Vorsicht zu genießen sind.
Gold und Silber haben zum Wochenstart wegen der Zoll-Eskalation dagegen zugelegt. Die Preise für beide Edelmetalle kletterten heute im frühen Handel auf weitere Rekordstände. Gold gilt vielen Anlegerinnen und Anlegern als sicherer Hafen in Krisenzeiten.
Im Fokus der Anlegerinnen und Anleger steht zudem die Konjunktur in China. Mit einem Wachstum von fünf Prozent im vergangenen Jahr hat die Wirtschaft in der Volksrepublik das offizielle Ziel der Regierung erreicht.
Im vierten Quartal legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,5 Prozent zu, wie das Statistikamt in Peking mitteilte. Damit verzeichnete die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt das schwächste Quartalswachstum seit dem Ende des Corona-Lockdowns vor drei Jahren.
Die besonders vom US-Markt abhängige deutsche Autoindustrie dürfte von frischen US-Zöllen hart getroffen werden. Aktien von Volkswagen, Mercedes und BMW verlieren zwischen 3,4 und 4,2 Prozent.
Rüstungswerte wie Rheinmetall, Renk Hensoldt profitieren hingegen von der geopolitischen Unsicherheit. Der europäische Branchenindex ist in diesem Monat bereits um fast 15 Prozent gestiegen. Rheinmetall gehört im DAX zu den wenigen Gewinnern.
Gegen den Trend stemmt sich die Bayer-Aktie, die rund sieben Prozent zulegt. Der Agrarchemie- und Pharmakonzern hat im milliardenschweren Rechtsstreit um mutmaßliche Krebsrisiken seines Unkrautvernichters Glyphosat einen wichtigen Etappensieg errungen.
Der Oberste Gerichtshof der USA hat am Freitagabend deutscher Zeit den Glyphosat-Fall „Durnell“ zur Prüfung angenommen. Damit steigen die Aussichten auf ein Grundsatzurteil im jahrelangen Rechtsstreit um den Unkrautvernichter.
Die Entscheidung gilt als entscheidender Schritt für Bayer auf dem Weg zu mehr Rechtssicherheit in dem seit Jahren andauernden Glyphosat-Streit. Eine Entscheidung des Gerichts wird bis zum Sommer erwartet.
