Mehr Geld im Monat, trotzdem keine Abzüge: Minijobber dürfen künftig 603 Euro monatlich verdienen, ohne Abgaben zahlen zu müssen. Grund ist der gestiegene Mindestlohn.
Jan Appeltrath aus Mainz betreibt drei Lokale in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt und beschäftigt nach eigenen Angaben ungefähr sechzig Minijobber – zusätzlich zu den etwa 15 Festangestellten.
Die meisten der Minijobber seien Studenten. Appeltrath wünscht sich für seine Betriebe mehr Flexibilität beim Minijob: „Die Studenten haben während der Prüfungsphase nicht viel Zeit, würden aber in anderen Monaten gern mehr arbeiten. Und wir haben Zeiten, in denen viel los ist und wir spontan mehr Leute brauchen.“ Da bräuchte er dann kurzfristig mehr Personal, was aber mit der Verdienstgrenze beim Minijob mitunter schwierig umzusetzen sei.
Sieben Millionen Minijobs
Fast sieben Millionen Minijobber gibt es laut Minijob-Zentrale in Deutschland, die Branchen mit den meisten von ihnen sind der Handel und die Gastronomie. Viele der Beschäftigten profitieren vom höheren Mindestlohn ab Januar – und damit auch von einer höheren Freigrenze, bis zu der sie arbeiten können, ohne Abgaben zahlen zu müssen.
So können mit Mindestlohn etwa zehn Stunden in der Woche gearbeitet werden, ohne dass der Minijob-Status gefährdet ist. Minijobber mit Verdienstgrenze zahlen keinen Beitrag zur Arbeitslosen- und Pflegeversicherung und können sich von der Rentenversicherung befreien lassen. Die Arbeitgeber zahlen eine Pauschale von gut 30 Prozent an Sozialabgaben und Steuern für ihre Minijobber.
Einige Unionspolitiker forderten in diesem Herbst, Minijobs abzuschaffen. Die Begründung: Menschen steckten in einer Minijob-Falle und könnten den Minijob nicht als Sprungbrett für eine Festanstellung nutzen.
Unternehmer wünschen sich mehr Flexibilität
Dass Minijobber bei ihm lieber festangestellt wären, sieht Gastronom Appeltrath nicht: „Die meisten möchten sich zu ihrem Studium oder einer anderen Stelle Geld hinzuverdienen. Und das Interesse an den Minijobs ist auf jeden Fall da: Ich habe mehr Interessenten als Stellen – wir lehnen viele Bewerber ab.“
Das ist bei Andreas Stüber aus Bacharach anders: Er betreibt ein Hotel und ein Restaurant in der Stadt direkt am Rhein, allerdings fast ohne Minijobber. Von den 20 Beschäftigten bei ihm fallen nur zwei in diese Kategorie. „Wir sind hier keine Studentenstadt – da ist es nicht so einfach, überhaupt Interessenten für einen Minijob zu finden“, sagt der Hotelier. Außerdem brauche er Leute, die gut eingearbeitet seien und selbstständig arbeiten könnten. „Wenn ich einem Minijobber immer jemanden zur Seite stellen muss der aufpasst, dass alles läuft, nützt mir das auch nichts.“
Dennoch wünscht auch er sich mehr Flexibilität bei den Regelungen für die Minijobs. „Ich verstehe nicht, wozu es diese starre Grenze geben muss“, sagt Stüber. „Wenn jemand mehr arbeiten will, wird er bestraft – da werden die Fleißigen ausgebremst.“
DGB: Minijobs schaden der Wirtschaft
Das sehen die Gewerkschaften anders. „Minijobs sind schlecht für die Wirtschaft – und die Unternehmen, weil Fachkräftepotenzial verschenkt wird“, sagt Marc Ferder vom DGB Rheinland-Pfalz/Saarland. Er ist dort zuständig für Arbeitsmarkt-, Struktur und Wirtschaftspolitik. Die Minijobs seien einmal geschaffen worden als Ausnahme für Menschen, die noch nicht im Arbeitsleben stehen oder nicht mehr arbeiten. Die Zahlen der Minijob-Zentrale zeigten jedoch, dass mehr als 60 Prozent der Minijobber zwischen 25 und 64 Jahren alt sei. Für diese Menschen brauche es normale Arbeitsverhältnisse und keine Minijobs, so Ferder.
Seine Einschätzung: Die Minijobs sind kein Einstieg in eine Festanstellung. „Unsere Mitglieder berichten uns immer wieder von einem Klebe-Effekt der Minijobs. Wenn man einmal einen hat, kommt man dort nur schwierig wieder raus“, sagt er. Der DGB ist deswegen dafür, dass die Arbeitnehmer ab dem ersten Euro in die Sozialkassen einzahlen. Das sei zwar auf den ersten Blick abschreckend, böte aber eine bessere Sicherheit für die Beschäftigten, weil sie später mehr Rente kriegen und auch gegen Arbeitslosigkeit abgesichert wären.
Auch wenn die Forderungen nach der Abschaffung von Minijobs im Herbst aus der CDU kamen: Von der schwarz-roten Bundesregierung gibt es bisher keine Initiative, etwas am Minijob-Status zu ändern.
