Ob Smartphone, Windrad oder Elektoauto: Ohne Industriemetalle gäbe es viele Produkte und Technologien nicht. Aktuell steigen die Preise. Was steckt dahinter?
Nicht nur der Goldpreis hat in den vergangenen Wochen immer wieder Rekordhochs erreicht. Das gilt auch für Metalle, die in der Industrieproduktion eingesetzt werden. So hat etwa der Kupferpreis zu Jahresbeginn die Marke von 13.000 Dollar geknackt, nachdem er bereits 2025 um über 40 Prozent zugelegt hatte. Und auch andere Metalle sind zuletzt teurer geworden.
„Ohne Industriemetalle würde es viele Produkte und moderne Technologien gar nicht geben“, sagt Mirko Schmidt von der Berenberg Bank im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion. Aluminium brauchen Autohersteller für Fahrzeugkarosserien. Eisen wird beim Bau von Gebäuden und Brücken eingesetzt. Kupfer ist in der Elektro- und in der Medizintechnik unverzichtbar, und Nickel wird häufig als Katalysator verwendet. Für viele Ökonomen sind Industriemetalle so etwas wie „Grundpfeiler der Wirtschaft“.
Schwankende Preise
Dass im Rohstoffsektor die Preise schwanken, ist normal. Unter anderem hängt das damit zusammen, dass Metalle nicht einfach so im Boden liegen, sondern mithilfe komplizierter und oft auch teurer Verfahren gewonnen und verarbeitet werden müssen, bevor sie in der Industrie zum Einsatz kommen.
„Wenn die Konjunktur brummt, dann wird gebaut und produziert, und die Nachfrage steigt entsprechend. Wenn der Motor stockt, dann fallen die Preise“, erklärt Stephan Kemper von BNP Paribas. „Ein Problem ist, dass wir ein starres Angebot haben. Eine Mine kann man nicht wie einen Lichtschalter an- und ausknipsen. Und deshalb schlagen sich Schwankungen bei der Nachfrage sofort voll auf den Preis durch.“
Zudem können Kriege oder Sanktionen den Handel von Industriemetallen erschweren. Gleiches passiert, wenn es wie zuletzt in Neuguinea zu Naturkatastrophen kommt. Im Herbst 2025 gab es auf der Insel einen gewaltigen Erdrutsch. Tonnenweise wurde Schlamm in die Grasberg-Mine geschwemmt. Das ist eine der weltweit größten Kupfer- und Goldminen. Arbeiter starben. Die Kupferproduktion musste eingestellt werden. Dadurch wurden die globalen Kupferlieferketten massiv beeinträchtigt. „Das veknappt natürlich das Angebot und erhöht letztendlich auch die Preise“, so Schmidt von der Berenberg Bank.
Durch „grüne Revolution“ steigt der Hunger nach Metall
Kupfer ist immer noch sehr teuer. Das gilt auch für Nickel und für Aluminium. „Daran dürfte sich auch so schnell nichts ändern“, glaubt Kemper von BNP Paribas. „Denn durch die Energiewende brauchen wir ganz viel Kupfer – zum Beispiel für Stromkabel. Wir brauchen Nickel für Batterien und Aluminium für Autos.“ Es ist abzusehen, dass der Umbau der Wirtschaft hin zur CO2-Neutralität noch Jahrzehnte dauern wird. Die Nachfrage bleibt also hoch. Gleichzeitig wurde jahrelang viel zu wenig in neue Mienen investiert. Das Angebot ist knapp.
Auch das wirtschaftspolitische Kräftemessen auf der internationalen Bühne dürfte die Preise beeinflussen, gibt Thomas Benedix von Union Investment zu bedenken. „Die gegenwärtige geopolitische Unsicherheit und die Unsicherheiten um die US-Zollpolitik sorgen dafür, dass sich viele Marktteilnehmer am physischen Markt mit Metall eindecken, da sie somit ihre Lieferketten resilienter gestalten.“ Einige Metalle werden regelrecht gehortet.
Industriemetalle als Machtfaktor
Industriemetalle sind also so etwas wie ein Spiegel der Weltwirtschaft. Je nachdem, welche Rohstoffe nachgefragt werden, sagt das viel darüber aus, in welche Richtung und in welche Bereiche sich die Wirtschaft hin entwickelt. Industriemetalle sind auch ein Machtfaktor. Für viele Politiker und Unternehmer geht es mittlerweile darum, eine Kontrolle über die begehrten Rohstoffe zu haben und zu halten. Das Zeitalter der billigen Industriemetalle ist damit vorerst vorbei.

