marktbericht
Die US-Indizes sind mit Abschlägen in den Handel gestartet, neue Visabestimmungen der Vereinigten Staaten belasten die Börsen. In Deutschland sind die Gewinnwarnungen von Porsche und VW das beherrschende Thema am Markt.
Gewinnmitnahmen nach der jüngsten Rekordjagd und neue Visabestimmungen der US-Regierung belasten die US-Börsen. Der Dow-Jones-Index gab zur Eröffnung um 0,2 Prozent auf 46.207 Punkte nach. Der breiter gefasste S&P 500 und der Index der Technologiebörse Nasdaq eröffneten jeweils 0,1 Prozent schwächer bei 6.654 beziehungsweise 22.607 Zählern.
In der Vorwoche hatte die Hoffnung, dass die Leitzinsen in den USA weiter sinken und so den Unternehmen niedrigere Finanzierungskosten bescheren, die US-Börsen gestützt. Laut dem Deutsche-Bank-Investmentchef Christian Nolting ist „ein gewisser Konsens über die künftige Ausrichtung der US-Geldpolitik“ entstanden.
Auf politischer Ebene wird heute weiter darüber diskutiert, dass US-Präsident Donald Trump vor dem Wochenende eine Gebühr von 100.000 Dollar auf häufig von amerikanischen Tech-Konzernen genutzte Visa angekündigt hatte. Etwas Erleichterung herrscht nach der Klarstellung, dass es sich um eine einmalige Gebühr nur für neue Visa handeln soll.
Aktien der Technologieriesen Microsoft und Amazon.com verbilligten sich um 0,5 beziehungsweise 1,2 Prozent. Papiere von Cognizant und Intel, die zu den größten Nutzern von H-1B-Visa gehören, zeigten sich kaum verändert. JPMorgan-Anteilsscheine fielen knapp ein Prozent. US-Konzerne sind stark auf Fachkräfte aus dem Ausland wie Indien und China angewiesen.
Der DAX hat seine moderate Talfahrt vom Freitag zu Beginn der neuen Woche etwas beschleunigt fortgesetzt. Am frühen Nachmittag notierte der Leitindex belastet von sehr schwachen Automobilwerten 0,6 Prozent tiefer bei 23.510 Punkten.
Analyst Jochen Stanzl von CMC Markets sprach vom anhaltenden September-Blues des DAX, während die US-Börsen im Nachgang der ersten US-Zinssenkung in diesem Jahr zuletzt von Rekord zu Rekord eilten. „Während die Investoren in den USA von der geringsten Zahl von Gewinnwarnungen seit einem Jahr ermutigt werden, fürchten sie sich hierzulande vor zahlreichen negativen Überraschungen. Der DAX bleibt in der Handelsspanne, die ihn nun schon seit gut drei Wochen gefangen hält“, erklärte Stanzl.
Das Börsenbarometer hat im September bislang etwa ein Prozent verloren. Mehr als 1.000 Punkten fehlen dem DAX mittlerweile zu seinem Rekord von 24.639 Punkten – auch wegen seiner negativen Monatsbilanz.
Deutsche Autowerte verlieren nach den Gewinnwarnungen des Volkswagen-Konzerns und seiner Sportwagen-Tochter Porsche AG an Wert. Für die Papiere der Konzernholding Porsche SE ging es als schwächster DAX-Wert um 8,7 Prozent nach unten, die VW-Vorzugsaktien büßten 7,8 Prozent ein. Die Aktie der VW-Tochter Porsche AG fiel um 7,3 Prozent.
Porsche hatte am Freitag seine Rentabilitätsprognose gesenkt und eine Verzögerung bei der Markteinführung einiger vollelektrischer Modelle angekündigt. Aufgrund der Produktverzögerungen erwartet Porsche nun, dass die Gewinnmarge in diesem Jahr maximal zwei Prozent erreichen wird. Der Strategieschwenk sei unvermeidlich gewesen, so ein Händler. Daher sollte er positiv gesehen werden. Aber die Korrektur des früheren Fehlers, zu stark von Elektrofahrzeugen abhängig zu sein, werde Zeit brauchen.
„Die einstige Gewinnmaschine im VW-Konzern steht mit dem Rücken zur Wand“, kommentierte RoboMarkets-Stratege Jürgen Molnar. Die Muttergesellschaft Volkswagen erklärte, dass der Gewinnrückgang und der Wertverlust der Beteiligung bei ihrer gut 75-prozentigen Tochtergesellschaft eine Belastung von 5,1 Milliarden Euro bedeuten werde.
Gefragt sind heute sind wieder einmal die Rüstungswerte. Nachdem russische Kampfjets in den estnischen Luftraum eingedrungen sind, kommt der UN-Sicherheitsrat heute zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Auch die NATO-Länder sollen Anfang der Woche zu Beratungen wegen des Vorfalls zusammenkommen.
Mit einem Anstieg um rund ein Prozent bleiben die Aktien von Rheinmetall nah dran an ihrem Vorwochenrekord. Von ihren schon mehrere Monate alten Bestmarken weiter entfernt sind Renk und Hensoldt, die am Nachmittag an der MDAX-Spitze um 5,5 und 3,7 Prozent anziehen.
Die Aussicht auf sinkende Zinsen in den USA hat den Goldpreis auf ein weiteres Rekordhoch getrieben. Die Feinunze (etwa 31,1 Gramm) erreichte heute an der Börse in London bis zu 3.719,95 Dollar und wurde damit so hoch wie noch nie gehandelt. Im Vergleich zum Freitag hat sich das Edelmetall um etwa 34 Dollar verteuert.
Der Euro-Kurs ist gestiegen. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1781 Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8488 Euro. Der Euro hat damit die Abwärtsbewegung der vergangenen Handelstage gestoppt. Im weiteren Handelsverlauf wird am Markt nicht mit stärkeren Impulsen gerechnet. Es stehen kaum wichtige Konjunkturdaten auf dem Programm.
Die Ölpreise haben etwas zugelegt. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im November kostete zuletzt 66,90 Dollar. Das waren 20 Cent mehr als am Freitag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI zur Lieferung im Oktober stieg um 36 Cent auf 63,04 Dollar. Am Markt wurde auf jüngste Entwicklungen im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine verwiesen. Beide Länder überziehen sich gegenseitig mit Drohnenangriffen. Zuletzt waren auch mehrfach Anlagen der russischen Ölindustrie das Ziel ukrainischer Drohnen.
Bayer hat bei der Entwicklung einer neuartigen Therapie gegen Parkinson einen wichtigen Meilenstein erreicht. Für den Zelltherapiekandidaten Bemdaneprocel sei der erste Patient in die zulassungsrelevante Phase-3-Studie aufgenommen worden, teilte der Pharma- und Agrarkonzern mit. Die Studie mit rund 100 Parkinson-Patienten ist die weltweit erste ihrer Art mit einer solchen Therapie.
Der US-Pharmakonzern Pfizer übernimmt für bis zu 7,3 Milliarden Dollar den auf Abnehmmedikamente spezialisierten Entwickler Metsera. Das Unternehmen will sich damit einen Platz auf dem lukrativen Markt für Medikamente zur Gewichtsreduktion sichern. Die Aktien von Metsera schossen im vorbörslichen US-Handel um fast 60 Prozent auf 53,16 Dollar in die Höhe. Pfizer zahlt 47,50 Dollar in bar pro Metsera-Aktie, was einem Aufschlag von rund 43 Prozent auf den Schlusskurs vom Freitag entspricht.
Der US-Softwarekonzern Oracle soll künftig von einer Doppelspitze geführt werden. Mike Sicilia und Clay Magouyrk würden die bisherige Vorstandsvorsitzende Safra Catz ablösen, teilte das Unternehmen mit. Sie wechsle nach elf Jahren in den Verwaltungsrat und werde dessen Vize-Vorsitzende.
Der Betriebsratsvorsitzende von Ford in Saarlouis, Markus Thal (56), und sein Stellvertreter Holger Michel (40) werden ihre Ämter aufgeben und das Unternehmen verlassen. Während Michel Ende November aus dem Unternehmen ausscheidet, will Thal nach eigener Aussage noch den Anlauf des Programms „Ford 1000“ für die verbliebenen 1.000 Kollegen und die Neuaufstellung des Betriebsrates mitgestalten. Er werde dann im ersten Quartal 2026 den Betrieb verlassen.
Vodafone Deutschland wird das veraltete Mobilfunknetz GSM (2G) zwei Jahre früher als geplant abschalten. Ab September 2028 ist der 2G-Mobilfunk zum Telefonieren nicht mehr verfügbar, teilte das Unternehmen mit. Telefonate sind dann nur noch über die Netze 4G (LTE) und 5G möglich.
Ericsson und Nokia haben einen milliardenschweren Auftrag von Vodafone erhalten. Sie sollen der britischen Tochter VodafoneThree in den kommenden zehn Jahren Ausrüstungen für das Mobilfunknetz nach dem modernen 5G-Standard liefern, teilten die beiden Netzwerk-Ausrüster mit. Das Gesamtvolumen der beiden Verträge belaufe sich auf umgerechnet 2,29 Milliarden Euro.
Der Autobauer Stellantis ist von einem Datenleck bei einem externen Dienstleister betroffen. Wie das Unternehmen mitteilte, wurde ein unbefugter Zugriff auf eine Plattform festgestellt, die dem Kundendienst in Nordamerika dient. Betroffen seien lediglich grundlegende Kontaktinformationen.
Der Schweizer Pharmakonzern Novartis will den Preisunterschied von Arzneien zwischen den USA und den übrigen Industrieländern beseitigen. Konzernchef Vas Narasimhan sieht Länder außerhalb der USA in der Pflicht, für Innovationen einen höheren Anteil zu leisten. Hintergrund ist die Forderung von US-Präsident Donald Trump nach Preissenkungen.
